Projektbericht - Jugendstilvilla 2024

"Dieses Haus sollte technisch neu aufgebaut und gestalterisch so weiterentwickelt werden, dass die Feinheit der Architektur auch im Inneren spürbar bleibt."

Liebe Leserinnen und Leser,

mein Name ist Stephie Tietge und ich schreibe heute über ein Projekt, welches mich lange begleitet hat.

Hier wurde wirklich kein Stein unberührt gelassen.

Fast 3 Jahre arbeitete ich und das Team von Bock gemeinsam mit Architekten, Statikern und Zahlreichen Gewerken an diesem Umbau.
Der Umbau der 1900 erbauten Stadtvilla begann Ende 2021 mit dem Wunsch nach einem neuen, hochwertigen Zuhause für das Unternehmerpaar. Die Immobilie hatte eine schöne architektonische Präsenz und gute Proportionen. Jedoch standen wir vor umfassenden Erneuerungen, um die Villa für die Zukunft zu rüsten.

Dieses Haus sollte technisch neu aufgebaut und gestalterisch so weiterentwickelt werden, dass die Feinheit der Architektur auch im Inneren spürbar bleibt.

So wurde während der Sanierung alles vollständig bis auf die Grundmauern entkernt und die Räume nach und nach vom Keller bis unters Dach Schritt für Schritt neu aufgebaut.
Der Keller untermauert und mit neuem Fundament versehen, die Dämmung an der Fassade nach höchsten Standards umgesetzt und Brandschutzdecken und Rauchabzüge integriert.
Auch die Technik wurde auf ein modernes Niveau gebracht: Mit Wärmepumpe, Klimaanlage, Fußbodenheizung und Fahrstuhl.

Alles entspricht heutigen Anforderungen, darf aber nicht beliebig oder technisch überformt wirken. Das Ziel war ein Haus, das komfortabel, sicher und zukunftsfähig ist – und dabei seine Eleganz behält.

Der Grundriss, die baulichen Veränderungen, das Treppenhaus die Versorgungsleitungen und die Anforderungen an die einzelnen Räume standen zuerst im Fokus.
Alle Räume sollten gleichermaßen Teil eines durchgängigen Konzepts sein und die Gestaltung kohärent.

Mein gestalterisches Novum war, die Architektur des Hauses im Inneren weiterzuführen. Es sollte keine modische Gestaltung entstehen, sondern eine zeitlose, hochwertige Atmosphäre. Elegant, reduziert und ruhig. Eine Gestaltung, die nicht laut ist, sondern durch Proportionen, Materialien und handwerkliche Qualität wirkt.

Dafür entwickelten wir mit Mustern und Materialcollagen ein Farb- und Materialkonzept für das gesamte Haus. Ein breites, dunkles Eichenparkett bildet heute eine kraftvolle und zugleich klassische Grundlage. Helle graue Wandflächen bringen Ruhe und Weite in die Räume. Bronze-Details setzen feine Akzente, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Dazu kamen Fliesen, Stuck, Einbaumöbel und Oberflächen, die sich wie selbstverständlich in die Architektur der Villa einfügen.

Die Bildserien aus dieser Zeit zeigen sehr eindrucksvoll, wie tiefgreifend dieser Prozess war. Zuerst sieht man Räume, die vollständig auf ihre Substanz reduziert sind bis später mit Möbeln und Accessoires alles wieder zusammengesetzt wird.

Hans G. Bock übernahm nicht nur die Gestalterische Führung und die Baubetreuung, sondern stattete das Haus mit Küche, Möbeln und Einbauten aus. Die Einbauschränke von Rimadesio und Poliform fügen sich passgenau und zurückhaltend in die Räume ein. Die Betten von Schramm, Möbel von Bielefelder Werkstätten und Sovet sowie die Badeinrichtungen von Antonio Lupi ergänzen das Konzept mit einer klaren Linie und in höchster Qualität.

Innen und außen sollte dieselbe Haltung zeigen: respektvoll gegenüber dem Bestand, aber klar in der Gegenwart angekommen.

Wenn ich heute auf dieses Projekt zurückblicke, denke ich vor allem an die große Geduld, die Sorgfalt und das Vertrauen, die eine solche Sanierung braucht. Zweieinhalb Jahre lang entwickelte sich dieses Haus von innen und außen weiter. Vom entkernten Gebäude bis zum fertigen zuhause war es ein intensiver Prozess mit vielen Entscheidungen, Herausforderungen und Erfolgsmomenten.

Entstanden ist eine Stadtvilla, die ihre Geschichte nicht verloren hat. Im Gegenteil: Sie wurde freigelegt, weitergeführt und neu interpretiert. Heute verbindet das Haus historische Substanz mit moderner Technik, zeitloser Gestaltung und einem sehr hohen Maß an Wohnkomfort.

Das ist für mich die Qualität guter Innenarchitektur: Sie drängt sich nicht auf, sondern wirkt harmonisch, konsequent mit Räumen, die zur Architektur passen und zu den Menschen, die darin leben.

Ich und die Kunden sind über diesen Prozess nah zusammengekommen und ich freue mich sehr über das Glück und die Zufriedenheit, welche mir am Ende entgegengebracht wurde.